Alle reden von der Krise. Wir auch.

Rede auf der Großdemo “Wir zahlen nicht für eure Krise” in Berlinklimagerechtigkeit-statt-wachstumswahn-lila

Kapitalismus heißt Krise, aber eben nicht nur Wirtschaftskrise, sondern auch ökologische Krise und Klimakrise.
Dabei geht es nicht nur um die allseits beliebten absaufenden Eisbären. Es geht um viel mehr, es geht um Klimagerechtigkeit.  Es geht um den tiefen Graben zwischen Reich und Arm, zwischen Nord und Süd auf dieser Welt, es geht um Macht, und es geht darum, wie wir in Zukunft unsere Gesellschaft organisieren. Insofern ist die Klimafrage immer auch eine Klassenfrage.

Schon jetzt gehen im globalen Süden Millionen Menschen an den Folgen des Klimawandels zugrunde. Gleichzeitig führt die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung im industrialisierten Norden dazu, dass wir leben als hätten wir sieben bis acht Planeten zur Verfügung. Damit sich daran etwas ändert, müssen wir endlich Abschied nehmen von der tödlichen Logik des Wachstumszwangs, der ständigen Überproduktion für die Überkonsumption. Wir können nicht mehr so weiter machen wie bisher, weder als Individuen, noch als Gesellschaft.

Krisen machen Angst, aber sie eröffnen auch Chancen. Wir haben die Chance dem Kapitalismus eine Absage zu erteilen und endlich etwas ganz Neues zu versuchen: einen ökologisch-sozialen Umbau hin zu einer solidarischen Welt.
Um das zu erreichen, müssen wir einerseits gegen Regierungen und Energiekonzerne vorgehen, die an der Förderung fossiler Brennstoffe festhalten und Kriege um Öl und Gas führen. Wir dürfen aber andererseits nicht auf diejenigen hereinfallen, die uns erzählen, der grüne Kapitalismus oder der “Green New Deal” seien das neue Allheilmittel. Denn in einer endlichen Welt kann es kein unendliches Wachstum geben. Der Green New Deal rettet das Wachstum, aber nicht die Umwelt.

Was also tun? Vom klimapolitischen Standpunkt aus ist ein Rückbau der Industrieproduktion in den Industrieländern unumgänglich. Wir müssen dafür sorgen, dass Wachstum sich umkehrt.
Nehmen wir die Autoindustrie: Das Gerede von angeblich immer ‘grüneren’ Autos kann nicht darüber hinwegtäuschen: Wenn wir wirklich etwas gegen Klimawandel und für Klimagerechtigkeit tun wollen, müssen wir weg vom Auto als individuellem Fortbewegungsmittel.
Was heißt das dann aber für diejenigen, die zum Beispiel bei Opel beschäftigt sind? Müssen sie über die Klinge springen, um die Welt vor dem Klimakollaps zu retten? Natürlich nicht. Was wir brauchen, ist ein sozial-ökologischer Umbau, eine Konversion der Autoproduktion. Statt Fahrzeuge für den Individualverkehr, müssen Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr produziert werden.
Wir müssen zusammen neue Konzepte von Mobilität erarbeiten. Eine neue Form von Mobilität, die allen gleichermaßen zur Verfügung steht, nicht, so wie es heute ist, den Reichen und den Männern mehr als den Armen und den Frauen. Dieser Umbau kann aber nur dann gerecht sein, wenn er einhergeht mit radikaler Arbeitszeitverkürzung und einem gesicherten Grundeinkommen.
Die Welt, die wir damit gewinnen können, ist eine Welt in der wir mehr Zeit füreinander haben, in der ein gutes Leben für alle möglich ist, überall auf der Welt; in der nicht die Reichen immer reicher, und dafür immer mehr immer ärmer werden.

Wir können erste Schritte in die richtige Richtung tun, indem wir uns für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr einsetzen, für ein bedingungsloses Grundeinkommen und für radikale Arbeitszeitverkürzung.
Wir müssen gegen die Energiekonzerne vorgehen, die unser aller Lebensgrundlage aufs Spiel setzen, um von fossilen Brennstoffen zu profitieren.Und wir müssen denen Sand ins Getriebe streuen, die uns neue “grüne” Formen des Kapitalismus als Rettungsweg verkaufen wollen, damit alles so bleiben kann wie es ist.

Im Dezember wird bei der nächsten UN-Klimakonferenz über ein Folgeabkommen des Kyotoprotokolls entschieden. Emissionshandel und andere marktwirtschaftliche “Mechanismen”, die dort propagiert werden,  tragen zwar dazu bei, Profit aus dem Klimawandel zu schlagen, machen Klimagerechtigkeit aber unmöglich.
Zusammen mit vielen Tausenden aus sozialen Bewegungen auf der ganzen Welt wollen wir klare Zeichen setzen: Nein zu kapitalistischen “Lösungen”, die in die Sackgasse führen! Klimagerechtigkeit statt Wachstumswahn!

Hier und heute, in Kopenhagen, und auf der ganzen Welt!


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