Debatte um strategische Ziele für Kopenhagen
Auf der Website wir-klimaretter.de hat eine recht hitzige Debatte um die Frage der Strategie für/gegen den ‘Klimagipfel’ im Dezember in Kopenhagen begonnen. Der Grund: ein merkwürdig uninformierter Artikel aufgrund des vom klima!bewegungsnetzwerks auf dem McPlanet verteilten Aufrufes “Soziale Wende statt Klimawandel” fabulierte, der Kongress sei eventuell von “bezahlten Lobbyisten” unterwandert!
Der Aufruhr um den Aufruf beginnt wohl mit folgendem Satz: ” Wir rufen dazu auf, den UN-Gipfel massiv zu stören!” Für viele, die seit langer Zeit schon in die Debatte um den Klimawandel involviert sind, erscheint dieser Satz als völliger Wahnsinn: wieso das einzige Forum stören, in dem Klimawandel und sogar Gerechtigkeitsfragen auf globaler Ebene diskutiert werden? Klar, sagt diese Position, was bisher in der UNFCCC (Klimawandelkonferenz der UN) zustande gekommen ist, ist äußerst unzureichend, und wir brauchen dringend bessere Abkommen, aber wo sonst als dort sollten die bitte diskutiert werden?
Auf der anderen Seite wiederum wird argumentiert, dass es nach 14. klimapolitisch ziemlich nutzlosen Konferenzen extrem unwahrscheinlich ist, dass die 15. solche Konferenz jetzt plötzlich, auf magische Art und Weise, effektiven Klimaschutz hervorbringen sollte. Daraus muss folgen, auch eingesichts der strategischen Erfahrungen der globalisierungskritischen Bewegung, dass das Organisieren von Gegenmacht außerhalb der Strukturen globaler Governance u.U. viel mehr ‘bring’, als das immer weitere Mitmischen innerhalb der Konferenzen.
Stellt sich die Frage (auch für gegenstromberlin, denn in unserer Gruppe sind beide Positionen stark vertreten): erstens, wie geht die erste Position damit um, dass die bisherige strategische Setzung mehr oder minder in die klimapolitische Nutzlosigkeit gemündet ist? zweitens, wie geht die zweite Position damit um, dass eine Ablehnung des Kopenhagen-Prozesses noch nichts darüber aussagt, wie denn nun auf sozial und ökologisch gerechte Art und Weise tatsächlicher Klimaschutz betrieben werden könnte – und zwar jenseits von plakativen aber u.U. völlig unrealistischen Forderungen?

