Aktionstag globale Landwirtschaft

Der 17.4. istder via campesina Aktionstag für Ernährungssouveränität, Landrechte und bäuerliche Landwirtschaft.

An diesem Tag besetzten etwa 120 Personen den geplanten Bauplatz Europas grösster Ferkelproduktionsanlage bei Alt-Tellin in Mecklenburg-Vorpommern -und zogen am Samstag mit zum Sternmarsch der BI unter dem Motto “für eine andere Landwirtschaft – überall!”

Unter den vielen wichtigen Gründen, gegen dieses Monsterprojekt aktiv zu werden, ist einer die globale Landfrage, eng verbunden mit Klimawandel und Klimapolitik.

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Warum?

Die industrielle Landwirtschaft, und hier insbesondere die Futtermittelproduktion für die “landlosen” Mastbetriebe im globalen Norden, sind verantwortlich für etwa 30% der globalen Treibhausgasemission – neben den vielzitierten Methanausdünstungen der 1.4 Milliarden Rinder auf der Welt sind das CO2 Emissionen aus (Brand-) Rodung und Humusabbau im Boden, Gütertransport, Pestizidproduktion und Treibstoff für die Landmaschinen, N2O aus synthetischem Stickstoffdünger, sowie CO2 aus dessen energieintensiver Herstellung.

Aber neben den anderen Schweinereien, von Gen-Soja Anbau für Futtermittel über Hormon- und Nitratbelastung des  Grundwassers, Gestank und Tierquälerei gibt es einen zentralen Punkt, für den diese Anlage exemplarisch steht, und der durch die globale Klimapolitik Aufwind bekommt:

Der “Bio-Kolonialismus”, der “global land grab”, der Prozess, in dem kapitalstarke Firmen und Einzelpersonen sich riesige Landflächen im globalen Süden aneignen, oft einhergehend mit der gewaltsamen Vertreibung der angestammten Bevölkerung, und diese in riesige Monokulturwüsten verwandeln, um jedwede Form von Biomasse zu produzieren, die der “Markt” gerade fordert. Und seit die “Bio”-Energie für kohlenstoffneutral erklärt worden ist, und Plantagen zu “Kohlenstoffsenken” umgewidmet werden können, wächst die Nachfrage nach Biomasse in jeglicher Form gewaltig – nicht zuletzt auch gefördert vom drohenden “peak oil”, der die Suche nach alternativen Treibstoffen und Rohstoffen für die Pharma- und Chemieindustrie intensiviert.

Der globale ländliche Raum wird strategisch als eine Art zu verteilende Ressource behandelt – seine BewohnerInnen werden dabei ausgeblendet und zu Statisten degradiert. Wie das Zusammentreffen von ländlichen Armen mit den Agrarmultis ausgeht, davon kann – leider – aus jedem Kontinent Zeugnis gegeben werden. Vertreibung, Gewalt und Korruption sind in den Landkonflikten in Indonesien genauso an der Tagesordnung wie in Paraguay oder Brasilien. Landreformen rutschen in ferne Zukunft, jetzt, wo selbst “degradiertes” Land eine lohnende Zukunft verspricht.

Der ländliche Raum wird eine der zentralen Kampfzonen der nächsten Jahrzehnte sein, und die Forderung nach Ernährungssouveränität, Landrechten und einer ganz anderen Form der Landwirtschaft eine Überlebensfrage für viele Millionen Menschen.

weitere Bilder und inhaltliche links:

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/170409alt_tellin.html


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