Proteste in Barcelona
Bei den UNFCCC Zwischenverhandlungen in Barcelona herrscht “drinnen” zwar Zähigkeit und Frustration vor, “draussen” dagegen nimmt die Bewegung für Klimagerechtigkeit Fahrt auf.
Etwa 60 Aktivisten des Bündnisses „la clima no esta en venda“ (das Klima steht nicht zum Verkauf) haben gerade für fast eine Stunde den Hauptausgang des Konferenzgebäudes in Barcelona blockiert und ihren Forderungen nach Klimagerechtigkeit und dem Stopp marktbasierter Mechanismen und anderre falscher Lösungen Gehör verschafft.
Mit Sprechchören wie „Auch wenn einige jammern werden, das Klima ist nicht zu verkaufen“ (was auf spanisch viel besser klingt, weil „lamenta“ sich auf „venta“ reimt), „nein zu Marktlösungen“, „gegen Offsets“, “climate justice” und viel Lärm zogen sie soviel Aufmerksamkeit von Fotografen und Filmteams auf sich, dass wohl weder die „Mossos“ (Stadtpolizei von Barcelona) noch das diskrete aber starke UNO Sicherheitspersonal die Sitzblockade mit Gewalt auflösen wollten. Die Türen wurden symbolisch mit rot-weissem Absperrband verschlossen, und Slogans auf das schöne Glas geklebt, u.a. „si se vende el aire, no hay salida“ (wenn die Luft privatisiert wird, gibt es keinen Ausweg) – eine schöne Anspielung auf die Tatsache, dass es tatsächlich gerade „Keinen Ausgang“ durch die blockierten Türen gab.
Jubel und Sprechchöre waren durch das halbe Konferenzgebäude zu hören, was allerdings ausser der Presse leider wenige Menschen veranlasste, tatsächlich herauszukommen. Es war der konfrontativste Protest bisher diese Woche, wenn mensch von dem “Besuch” einger Aktivisten beim einem Delgiertendinner absieht. Aber auch die angemeldeten Kundgebungen innerhalb und vor dem Gebäude haben an Umfang zugenommen: Heute morgen spannten Aktivisten verschiedener Umwelt- , indigener und Menschenrechtsgruppen für etwa ein Stunde ein ca. 15 m langes Transparent in der Einganshalle auf, und forderten Delegierte auf, sich einem Aufruf anzuschliessen, der indigene Rechte und wirkliche Umweltreduktionen im REDD* Mechanismus verankern will. Wälder und die Rechte indigener Menschen ist weiterhin ein Schwerpunkt der NGO Aktivitäten, neben der allgemeinen Forderung nach einem umfassenden und weitgehenden Abkommen, welches am präsentesten ist durch die Kampagne 350.org – Sticker, T-Shirts und Krawatten mit der großen 350 prägen das Bild im Konferenzgebäude. Im „Sozialbereich“ (Kantine und Computerpool) sind ausserdem an sämtlichen Wänden quadratmetergrosse Fotografien vom Aktionstag am 24.10. ausgestellt. Darauf sind Menschen aus aller Welt zu sehen, die (meistens mit ihren Körpern) an oft landestypischen Orten eine 350 formen, von der einzelnen Aktivistin mit Plakat im Irak bis zu hunderten in Mexiko, Neuseeland oder den USA. Hinter solchen Kampagnen mit starkem Verhandlungsbezug stehen meistens die Kampagnen tcktcktck, sowie die Organisationen avaaz und 350.org. Desweiteren gab es diverse Initiativen lokaler Gruppen, den “grossen Sprung” für Klimaschutz von jungen Artisten, ein Theaterstück und diverse symbolische Aktionen sowie eine Demo mit etwa 1000 Leuten schon am Samstag abend.
Dass die Blockierer heute eine etwas andere Agenda haben, war nicht nur durch die Form ihre Protestes erkennbar, sondern auch an der Aufschrift auf den T-Shirts: No al Capitalismo!
www.laclimanoestaenvenda.wordpress.com
*REDD steht für reduced emissions from deforestation in developing countries, und ist ein sehr umstrittener Mechanismus innerhalb der UNFCCC, der eigentlich die fortschreitende Entwaldung in den Tropen stoppen soll
