KP Abschlussplenum gestoert
Nach 5 Tagen ermuedender und ergebnisloser Verhandlungen fand heute in barcelona ab 15.30 Uhr das Abschlussplenum der AWG KP statt, der Arbeitsgruppe, in der (eigentlich schon in Bonn bzw. Bangkok) die Reduktionsziele fuer die Industrielaender festgelegt werden sollten. Der ziemlich offene Versuch der reichen Laender, das Kyotoprotokoll abzuschaffen (kill kyoto) und durch eine unverbindliche politsche Erklaerung zu ersetzen, hat waehrend der Verhandlungen in Barcelona zu viel Unmut gefuehrt, und dominierte auch die Abschlussstatements saemtlicher Entwicklungslaender im Plenum.
Nachdem saemtliche Laendergruppen ihr Abschlussstatement verlesen hatten, meldeten sich noch viele weitere Entwicklunslaender zu Wort, angefangen mit Sambia, gefolgt von China, den Selomon Inseln, Saudi-Arabien, Bolivien und vielen anderen. Alle drueckten ihre Enttaeuschung aus, ihre Wut und ihre Verzweiflung ob der Tatsache, dass die industrialisierten Laender nun schon seit Jahren auf Zeit spielen, und die fuer viele arme Laender ueberlebenswichtige Frage nach drastischen Emissionsreduktionen mit Hinweis auf fehlende Berechnungsgrundlagen und BSP-Verluste im Promille Bereich verschleppen.
China fand sehr deutliche Worte, als sie sagte: “wir berichten hier seit Jahren von Fortschritt, wo es keinen Fortschritt gibt, und von Erfolg, wo es keine Erfolge gibt”. Die Verhandlungen drehen sich im Kreis, und wie ernst es ist, konnte mensch an der zitternden Stimme des Delegierten aus den Solomon-Inseln hoeren, als er die Frage stellte: “wie viele werden sterben, wegen unserer Untaetigkeit? wie viele werden verhungern, weil wir keine Entscheidung treffen? Die Opfer sind nicht in den Industrielaendern, wir in den Entwicklunslaendern sind die Opfer Eurer Untaetigkeit!” Fuer alle Sprecher aus Entwicklunslaendern gab es anhaltenden Beifall, genauso wie fuer einige Aktivisten, die – ironischerweise gerade als die Schweiz ihr statement abgab, welche als einziges Industrieland klar und bedingungslos an die Industrielaender plaedierte, sich so schnell wie moeglich zu ehrgeizigen Reduktionszielen zu verpflichten - mit einem Transparent vor das Podium rannten und riefen: ” ihr verhandelt doch gar nicht ueber Loesungen – Maerkte sind keine Loesung!’”. Die relativ brutale Entfernung der 3 Personen durch ungefaehr 20 Sicherheitsbeamte entpuppte sich, kaum draussen, dann eher als ueberzeugende Show: Sie wurden ohne weitere Massnahmen laufengelassen.
Dies naehrt die Annahme, dass dem UNFCCC Sekretariat der Protest ganz recht kommt – auch die Blockade vor den Tueren war geduldet worden, und von Yvo de Boer ist ein Zitat ueberliefert, dass er sich bei den Ergebnissen der Verhandlungen wundere, dass die Zivilgesellschaft nicht die Scheiben des Verhandlunsortes einwerfe.
Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass die Sicherheitskraefte nicht auffaellig aufgestockt worden seien, samt berittener Polizei vor der FIRA. Aber solange sich der Protest in diesem Rahmen bewegt, wird er offensichtlich bereitwillig akzeptiert.