“Danish Text” sorgt für Furore

Große Aufregung herrscht am zweiten Tag der internationalen Verhandlungen in Kopenhagen, nachdem der Guardian
einen Text veröffentlicht hat, in dem die dänische COP Präsidentschaft die Ergebnisse der Gipfels grösstenteils vorwegnimmt – noch ohne konkrete Zahlen, aber inklusive diverser “toxischer” Elemente für Entwicklungs- und Schwellenländer.

Der Originaltext hier zum download:
Danish Paper

Obwohl anzunehmen war, dass ein solches Papier existiert, ist sein jetztiges Publikwerden ein diplomatischer GAU – die marginalisierten Länder, allen voran Afrika, fühlen sich bestätigt in ihrer Wahrnehmung, dass sie ausgebootet werden, und die eigentlichen Ergebnisse ganz woanders unter den Mächtigen schon längst ausgedealt sind.
Die dänische Präsidentschaft hatte sich ja schon mehrfach unbeliebt gemacht durch ihre, gelinde gesagt, forsche Art, Ergebnisse vorwegzunehmen.

In dem 13 seitigen Papierist unter anderem vorgesehen

- die Aufspaltung des Blocks der Entwicklungsländer in “die verwundbarsten Länder”, welche keinerlei Minderungsziele angeben müssen, und alle anderen, welche im Rahmen der NAMAs – national angemessener Minderungsverpflichtungen – zusichern sollen, um wieviel sie von einem “business as usual” Pfad abweichen werden.

- diese Minderungsleistungen sind zumindest zum Teil aus eigener Tasche zu bezahlen

- es wird eine “politische Vereinbarung” geschlossen, ein bindender Vertrag wird auf “COPXX” vertagt

- die Aufteilung der Minderungsverpflichtungen bürdet den Entwicklungsländern einen überproportional hohen Anteil der Einsparungen auf, und zementiert so eine “Klimaapartheit”

- der Kohlenstoffarkt wird explizit als zentrales strategisches Mittel verankert

- ausser einem “kick start” Topf sind keine verbindlichen Angaben über Finanztransfers vorgesehen, die Weltbank soll die Gelder verwalten

- das 2 Grad Ziel (und nicht, wie von AOSIS, African Group und LDCs gefordert: 1.5 Grad)

und so könnte die Liste fortgesetzt werden.

Inhaltlich ist das Papier keine grosse Überraschung, zumindest was die Minderungsziele angeht, spiegelt es ungefähr das wieder, was seit Poznan als angeblich vom IPCC gestützte Aussage immer wieder kursiert und zuletzt sogar von der internationalen Energieagentur verbreitet wurde.

Die diplomatischen Folgen für den “Kopenhagen-Prozess” dürften hingegen einiges an explosivem Potential entfalten.


Kommentarfunktion ist geschlossen.