Fakten und Hintergründe zu Vattenfall

Anlässlich der Verleihung des Kunstpreises “Vattenfall Contemporary” am 30. April 2010 lobte gegenstrom berlin einen alternativen Kunstpreis aus. Neben Kultur und Unterhaltung gab es auch ein paar informative Fakten und Hintergründe zu Vattenfall, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.

  • Vattenfall ist einer der größten Energieversorger auf dem europäischen Markt, und zugleich einer der „Big Four“ auf dem deutschen  Markt, dem größten Energiemarkt in Europa.
  • Vattenfall versucht sich mit viel Geld in der Berliner Kunst- und Kulturszene unentbehrlich zu machen: mit dem Vattenfall Halbmarathon, dem Vattenfall Contemporary Kunstpreis – dem Anlass unseres heutigen Protestes -  und der Unterstützung von Sozialprojekten wie dem Zirkus Cabuwazi.

Greenwashing – z.B. die Vattenfall-Klimakampagne

(1) Vattenfall sagt: “Wir wollen, dass es einen weltweit gültigen Preis für CO2-Emissionen gibt.”

Was Vattenfall damit meint ist: “Wenn sich die ganze Welt erst einmal auf einen einheitlichen Zertifikatspreis einigen muss, wird das ewig dauern. In der Zwischenzeit pfuscht uns keiner rein, wenn wir weiter dreckige Kohle verbrennen – und damit machen wir ja unser Geld.” In Europa kämpft Vattenfall  dafür, dass die Zertifikate weiterhin kostenlos verteilt werden.

(2) Vattenfall sagt: “Wir fordern die Politik auf, klimafreundliche Technologien zu fördern.”

Was Vattenfall damit meint ist: “Gebt uns Milliarden Euro für die CO2-Abscheidetechnik. Vielleicht kann so in zwanzig oder dreißig Jahren das Kohlendioxid aus dem Rauch der Kohlekraftwerke abgefangen und unter der Erde verpresst werden. Dann könnten wir mit unserer Kohle bis in alle Ewigkeit so richtig Geld verdienen. Nur leider ist die Technik so verdammt teuer.”

In Brüssel hat Vattenfall zehn Milliarden Euro als Staats-Hilfe für diese Technik eingefordert.

(3) Vattenfall sagt: “Wir fordern Klimaschutzstandards für Produkte.”

Was Vattenfall damit meint ist: “Klimaschutz ist Verbrauchersache. Sollen doch die einfachen Bürger mit ihren klimafreundlichen Waschmaschinen die Welt retten – wenn sie glauben, das wäre nötig. Aber unsere Kohlekraftwerke, die lasst gefälligst in Ruhe.”[1]

Facts zu Vattenfall und Atomenergie

  • Vattenfall, als halbstaatlicher schwedischer Konzern, betreibt Atomkraftwerke nicht nur in Deutschland, in Brunsbüttel und Krümmel, sondern auch im heimischen Schweden. Dabei zeigt sich mmer wieder das gleiche Schema: Anlagen werden nicht korrekt bedient, es passieren gravierende Fehler, nach Zwischenfällen wird schleppend informiert und heruntergespielt.
  • Im schwedischen AKW Forsmark fand 2006 einer der schlimmsten Beinahe-GAUs überhaupt statt. Der ehemalige Konstruktionschef des AKW Forsmark sagte damals:  „Es war ein reiner Zufall, dass es zu keiner Kernschmelze kam”. Der Kurzschluss hätte statt der Hälfte genau so gut auch alle vier Notstromsysteme des AKW lahm legen können. Kommentar von Vattenfall:  „Es bestand zu keiner Zeit die Gefahr einer Freisetzung radioaktiver Stoffe“.
  • Der Fall zeigt: das Sicherheitskonstrukt der Atomindustrie ist eine Illusion bzw. schlicht gelogen:  Die Annahme, dass verschiedene, unabhängig voneinander funktionierende Sicherheitssysteme absolute Reaktorsicherheit gewähren, wurde in Forsmark und anderswo widerlegt.
  • Im Endeffekt heißt es bei Vattenfall (so wie überall anders im Kapitalismus)  immer: Profit geht vor Sicherheit.

Brunsbüttel

  • In Brunsbüttel gibt es eine lange Störfallliste.
  • Es gab  gravierende Planungsfehler in der Notstromversorgung und der Steuerung von Aggregaten in den Not- und Nachkühleinrichtungen, genau bei den Sicherheitssystemen, die in Forsmark um ein Haar zum GAU geführt hätten. Vattenfall leugnet die Gefahren.
  • Im Juli 2007 kam es zu einem Kurzschluss. Seitdem wird Brunsbüttel nicht wieder angeschaltet, weil die Restlaufzeit so kurz ist, dass die endgültige Abschaltung noch vor den von Vattenfall erhofften Laufzeitverlängerungen läge.

Krümmel

  • Bei Krümmel handelt es sich im Gegensatz zu Brunsbüttel um einen ganz neuen Reaktortyp. Trotzdem ist der Reaktor Schrott.
  • Auch hier gab es am 28. Juni 2007 einen Kurzschluss. Bereits am 1. Juli, vor Ende der Untersuchungen, wurde der Reaktor wieder hochgefahren. Eine meldepflichtige  Panne beim Hochfahren wurde erst Tage später gemeldet. Und am 10. Juli 2007 gab es schon wieder Probleme: diesmal mit fehlerhaften Dübeln.
  • Wegen des kontinuierlichen Widerstandes gegen die Castortransporte sind Vattenfall und andere AKW-Betreiber inzwischen dazu übergegangen einen Teil des hochradioaktiven Mülls direkt auf dem Kraftwerksgelände zwischen zu lagern. Gleichzeitig übt Vattenfall massiven Druck auf die Politik aus, an Gorleben als Endlagerstandort festzuhalten.

Wir feiern den Anti-Atom Widerstand

  • Vattenfall und die anderen AKW-Betreiber kungeln mit der Regierung um AKW-Laufzeitverlängerungen zu beschließen, aber sie werden mit ihren perfiden Plänen nicht durchkommen. Die Menschenkette mit über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern letztes Wochenende hat gezeigt, dass es eine breite Front gegen Laufzeitverlängerungen gibt. Im Herbst beim Castor werden wir so viele sein, wie nie zuvor.
  • Wir sagen: Be verstrahlt, be verkohlt, be Vattenfall. Aber nicht mehr lange!

Facts zu Vattenfall und Kohle

  • Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von Vattenfall beträgt nur 12 Prozent. 80 Prozent des Stroms kommen aus Braunkohle, der schmutzigsten Art von Stromerzeugung, die es gibt.
  • Vattenfall betreibt in Deutschland 12 Kohlekraftwerke, je 6 Steinkohle- und 6 Braunkohlekraftwerke. Geplant sind der Bau von weiteren Kohlekraftwerken in Moorburg und Boxberg.
  • In Berlin betreibt Vattenfall 3 Steinkohlekraftwerke, Planungen für ein weiteres in Berlin-Lichtenberg  konnten letztes Jahr verhindert werden.
  • In Deutschland wird fast nur  noch Braunkohle abgebaut. Die Steinkohle für deutsche Kraftwerke kommt u. a. aus Kolumbien, wo z. B. für die Mine Cerrejon Menschen vertrieben und GewerkschafterInnen umgebracht werden.
  • Statt dessen baut Vattenfall jetzt in Berlin-Lichtenberg ein Biomassekraftwerk. Wer jetzt denkt: da macht Vattenfall doch endlich einmal einen Schritt in die richtige Richtung, hat sich geschnitten. Denn entgegen der Zusiccherung, nur heimische Biomasse zu verwenden, soll das Kraftwerk täglich mit einer Schiffsladung Biomasse aus Liberia beliefert werden.
  • Wie war das doch noch? Ach ja, nicht nur Sicherheit muss hinter dem Profit zurückstehen, sondern auch, wer hätte es gedacht, Menschenrechtsaspekte und globale Gerechtigkeit.
  • Trotzdem: Jedes verhinderte Kraftwerk dieses Energiekonzernmolochs ist ein Erfolg!

Facts zu Vattenfall und Braunkohletagebau

  • Brandenburg ist mit Vattenfall schwer geschlagen. Nach dem Fall der Mauer hat Vattenfall dort für ‘nen Appel und ‘nen Ei alles aufgekauft, was nicht niet- und nagelfest war.
  • Zur Zeit betreibt Vattenfall in Brandenburg vier Tagebaue. In 10 Jahren sind die bestehenden Tagebaue „ausgekohlt“. Eigentlich endet dann auch die Kraftwerkslaufzeit für Jänschwalde. Doch Vattenfall arbeitet an Genehmigungen für fünf neue Tagebaue.
  • Ministerpräsident Platzeck ist ein gern gesehener Gast bei Vattenfall. Gemeinsam spielt man sich die Bälle zu, wenn es darum geht an der klimaschädlichen Verbrennung von Braunkohle festzuhalten. Nach dem Motto “Neue Löcher braucht das Land” werden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben; mit riesigen Baggern wird Braunkohle gefördert, die einen irrwitzig schlechten Brennwert hat. Selbst unser ganz normaler Hausmüll brennt besser als der Stoff den Vattenfall aus dem Boden der Lausitz holt.
  • Und jetzt ist auch noch die Linke in Brandenburg mit von der Partie, und hat damit ihr Wahlversprechen  gebrochen. Nachdem sie sich vor der Wahl gegen die Erschließung neuer Tagebaue ausgesprochen hatte, soll Vattenfall nun die Genehmigung für  weitere Tagebaue in der Lausitz erhalten, wofür 3 weitere Dörfer abgebaggert und 1400 Menschen vertrieben würden.

[1] Courtesy of Greenpeace


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